Fortbildung für Logopäden in der Rabine-Methode zum Certified Rabine Voice Therapist (CRVTh)

Das Einführungsseminar für die neue Aus- bzw. Fortbildungsgruppe findet vom 29.09. – 01.10.2017 statt. Daraufhin beginnt die Aus- bzw. Fortbildungsgruppe ab Januar 2018. Die aktive Teilnahme am Einführungsseminar ist mitunter Voraussetzung für die Zulassung zur Aus- bzw. Fortbildungsgruppe.

Die tägliche Konfrontation mit einer unendlichen Vielfalt in den menschlichen Phonationsdispohnien und anderen stimmstörenden, psychisch und organisch, neurologischen Krankheitsbildern erregt die Wissenslust des Stimmtherapeuten. Seine Begierde für Wissen liegt in seinen tiefen Wünschen, seinen Mitmenschen in ihren Leiden zu helfen. So entsteht die ständige Suche nach Antworten zu seinen Fragen. Viele Einzelseminare und Fortbildungsmöglichkeiten werden von wissenden Fachkräften angeboten. Häufig sind die Themen und Betonungen hauptsächlich auf dem Krankheitsbild bzw. der Krankheitsanalyse und auf der Anwendung von oft schon bekannten therapeutischen Methoden bezogen. Das ist in sich nicht negativ, aber es ist deutlich geworden, dass der Logopäde nicht Rezeptübungen, sondern Antworten auf grundlegende Fragen über das gesamte menschliche Instrument, seiner psychisch-neuro-physiologischen funktional rückwirkende Zusammenhänge und Regelkreise sucht, die die Stimme hervorruft.
Ohne eine Definition über das, was funktionale Stimmgesundheit, unabhängig von Sprache ist, stellt sich die Frage: Wie kann der Logopäde der begegneten Krankheit in den momentanen Zustand des Patienten präzise einordnen. Hier ist der Logopäde auf sein eigenes Wissen, seine mentalen Konzepte, seine Selbstwahrnehmung, Mitempfindung und besonders seiner Erfahrung angewiesen. Deshalb steigen die Wünsche der Logopäden, ihre eigenen Fähigkeiten logisch und systematisch zu entwickeln und zu erweitern. Neugierde über sich selbst als ein einmaliges, lebendes Instrument ermöglicht es dem Menschen, ihr individuelles Potenzial und ihre Stimme zu erforschen. Neugierde und Fragen sind für das Lernen notwendig. (Therapie ist Lernen.) Der Logopäde sucht mehr mit sich selbst, seine Wahrnehmungsfähigkeiten in Hören und Sehen zu differenzieren und sein eigenes Stimminstrument als ein differenziertes Kommunikationsorgan zu erleben und seine Funktionen besser zu verstehen. Selbsterlebnisse sind, was Theorien zu wahrem Wissen führen.

Seit über 40 Jahren beschäftigt sich Prof. Rabine mit den verschiedenen Stimmstörungen, bis hin zu starken Disphonien, die häufig bei Sängern und Berufssprechern entstehen. Die Entwicklung seiner Theorie über die komplexen, psychisch-neuro-physiologischen und biologisch rückwirkenden Zusammenhänge in der Stimmfunktion und der daraus resultierenden kinästhetischen, sensomotorisch basierten Methode hat ihn in enger Zusammenarbeit mit Stimmforschern, Ärzten, Phoniatoren, Logopäden, Musiktherapeuten, Psychotherapeuten und Bewegungstherapeuten gebracht.

Diese Zusammenarbeit hat eine breite Erfahrung über neuro-organische Stimmstörungen, u. a. Stimmlähmung, Schluckstörungen, Stottern, Poltern, Knötchen, Polypen, Ödeme sowie verschiedene psychosomatische Stimmstörungen usw. ermöglicht. Die Grenzen zwischen Logopädie und Gesangsunterricht sind in der Rabine-Methode klar definiert. Prof. Rabine ist ein Gesangslehrer und kein Logopäde. Seine Theorie über Stimmfunktion und Methode ist aber für beide Berufsrichtungen gültig und anwendbar.

Struktur des Fortbildungsprogramms

In diesem Programm werden drei fundamentale Bereiche berücksichtigt:

  1. die Berufsausbildung der Logopädie:
    die wissenschaftliche Berufsausbildung der Logopädinnen und Logopäden in Bezug zu den wissenschaftlichen Inhalten der Rabine-Theorie über die Doppelventilfunktion der menschlichen Stimme und der daraus entstehenden Methode.
  2. die Berufserfahrung der Logopäden:
    die berufliche Erfahrung der Logopädinnen und Logopäden in Bezug zu den neuen
    therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten, ihre Einordnung und Übertragung in die Praxis der Stimmtherapie.

Die Fortbildung (CRVTh) ist berufsbegleitend und dauert vier Jahre mit fünf Hauptseminaren pro Jahr. Die Hauptseminare werden ergänzt durch regelmäßige Arbeit in kleinen Arbeitsgruppen von drei bis vier Teilnehmern. Deren Treffen finden zwischen den Hauptseminaren (mindestens fünf Mal im Jahr) statt. In den Arbeitsgruppen werden bestimmte Hausaufgaben vor den Hauptseminaren bearbeitet. Im ersten und zweiten Jahr treffen sich die Arbeitsgruppen zusätzlich mit Prof. Rabine je einmal für ein Maximum von sechs Stunden zur intensiven Arbeit, bei der neue Informationen in der therapeutischen Praxis geübt werden. Im dritten und vierten Jahr erhöht sich die Zahl der Arbeitsgruppentreffen mit Prof. Rabine auf fünf Mal im Jahr. In diesen Treffen bearbeiten und üben die Arbeitsgruppen die methodische Anwendung durch Fragen und Anweisungen bei Fallanalysen, Übungsanwendungen, therapeutischem Verhalten und anderen praxisorientierten Situationen. Es wird die Berufsproblematik im Transfer von der spezifischen Terminologie der Rabine-Methode zum Behandlungsbericht, Therapeuten und zu Patienten/Angehörigen sowie der Verarbeitung neuer relevanter wissenschaftlicher Information angesprochen.
In den Hauptseminaren liegt die Konzentration auf der Vermittlung von:

  1. theoretischem Material, welches das wissenschaftliche Fundament der Doppelventilfunktion als Basis der Rabine-Theorie über das lebende Instrument bildet und seiner Stimmfunktion und deren Bedeutung zur Stimmtherapie, unter anderem:
    a) Evolution und ontogenetische Information über die Stimmorgane und der Sprachentwicklung;
    b) eine Grundlage in Anatomie, Physiologie, Neurologie, Biologie, Stimmakustik und deren rückwirkenden Zusammenhängen innerhalb des gesamten Stimminstruments bzw. der Stimmfunktion;
    c) Terminologie, Lernprozesse und -abläufe im kinästhetischen sensomotorischen Training in der Therapie;
    d) die verschiedenen psychisch-physiologischen Einflüsse von Kultur und gelernten Verhaltensmusstern, Muttersprache, Persönlichkeit, und Musik;
    e) Körper- und Stimmübungen bis hin zu einzelnen Übungselementen und deren Wirkung bzw. Rückwirkung innerhalb der psychophysiologische Einheit Stimme;
    f) mentales Konzept des Therapeuten sowie die Konzeptentwicklung als Basis aller Übungen beim Patienten und vieles mehr;
  2. praktische Kenntnisse durch funktionales Hören, Sehen und Mitempfindung.
    Durch Selbstwahrnehmung (z. B. Gehörtraining, Körperlesen, Wahrnehmungstraining durch Körper- und Stimmübungen, Mitempfindungstraining durch Beispielstunden und eigene Praxis unter Supervision) werden die Grundlagen des wissenschaftlichen Materials durch Übungen erlebt und ihre Bedeutung in der Kinästhetik (Wahrnehmung) und der Sensomotorik (Training in Therapie) in Bezug zu der Stimmtherapie erläutert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden die Grundlagen von funktionalem Hören, Sehen und Mitempfinden selbst üben und, fachlich begleitet, ihre Bedeutung und Anwendung in körperlicher und stimmlicher Analyse trainieren, um funktionale Stimmtherapie nach der Rabine-Methode anzuwenden.

Weil sowohl das Rabine-Institut, als auch alle praktizierenden Stimmtherapeuten sehr qualitätsbewusst sind, liegt ein wichtiger Teil der Fortbildung im Wahrnehmungstraining der einzelnen Teilnehmer. Um diese Qualität zu erreichen, wird erwartet, dass jeder Teilnehmer bei einem von Institut anerkannten fortbildungsbegleitenden CRT- oder CRS-Lehrer Stimmtraining nimmt. Dieser Unterricht soll mindestens einmal pro Monat oder zwölf Mal pro Jahr genommen werden. Diese Lehrkräfte haben auch eine Supervisiorenfunktion. Sie gehen gerne auf individuelle Fragen oder Stimmprobleme der Teilnehmer durch Übungen und Erklärungen ein.

Der Abschluss dieser Fortbildung führt zum Zertifikat Certified Voice Therapist (CRVTh).

Info und Anmeldung zum Einführungsseminar >>>